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    Profession

    Unter dem Thema Profession soll das Berufsbild des Physiotherapeuten vorgestellt werden. Auch die Aus- und Weiterbildung des Berufsstandes wird schematisch skizziert um dann über zwei wichtige gesetzliche Grundlagen, das Gesundheitsberufegesetz und das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz, zu informieren.

    Berufsbild

    Ein Berufsbild umfasst die Beschreibung aller Tätigkeiten, die in der Ausübung eines bestimmten Berufes ausgeführt werden. Damit besteht eine enge Verbindung zu den ausgeübten Rollen. Auf einer abstrakten Ebene wurden solche Rollen im sogenannten CanMEDS-Modell definiert.

    Für die Schweiz wurde das CanMEDS-Rollenmodell von den Fachhochschulen im Jahr 2009 auf die Physiotherapie adaptiert. Dabei wurden für die Stufe Bachelor folgende Rollen eines Physiotherapeuten definiert:

    1. Rolle des Experten in Physiotherapie
      Als Experte in Physiotherapie führen Physiotherapeuten die berufsspezifischen Tätigkeiten aus und sind verantwortlich, die fachliche Führung in ihrem Berufsfeld zu übernehmen und entsprechende Entscheidungen und Beurteilungen zu treffen
       
    2. Rolle des Kommunikators
      Als Kommunikatoren ermöglichen Physiotherapeuten vertrauensvolle Beziehungen in ihrem Umfeld und geben Informationen gezielt weiter
       
    3. Rolle des Teamworkers
      Als Teamworker partizipieren Physiotherapeuten effektiv innerhalb eines interdisziplinären und interprofessionellen Teams.
       
    4. Rolle des Managers
      Als Manager übernehmen Physiotherapeuten die fachliche Führung, tragen zur Effektivität der Organisation bei und entwickeln ihre eigene Berufskarriere
       
    5. Rolle des Health Advocates
      Als Health Advocates stützen sich Physiotherapeuten verantwortungsvoll auf ihre Expertise ab und nutzen ihre Einflussmöglichkeiten, um die Gesundheit und die Lebensqualität der Patienten / Klienten sowie der Gesellschaft als Ganzes zu fördern.
       
    6. Rolle des Lernenden und Lehrenden
      Als Lernende und Lehrende engagieren sich Physiotherapeuten für ein lebenslanges Lernen, basierend auf einer reflektierten Praxis, sowie für die Entwicklung, Weitergabe und Anwendung von evidenzbasiertem Wissen.
       
    7. Rolle als Professionsangehöriger
      Als Professionsangehörige setzen sich Physiotherapeuten für die Gesundheit und die Lebensqualität von Personen und der Gesellschaft ein. Sie verpflichten sich der Ethik, und tragen Sorge zur eigenen Gesundheit.

    Ausbildung

    Die internationale Bildungsklassifikation ISCED der UNESCO klassifiziert und charakterisiert Schultypen und Schulsysteme. Sie unterscheidet mehrere Ebenen (Level) und eignet sich auch für die Angabe des Bildungsniveaus (des höchsten Bildungsabschlusses) im internationalen Vergleich.

    In der Schweiz führt ein Bachelorstudium der Physiotherapie an einer Fachhochschule zur Berufsbefähigung (siehe Links unten). Damit ist die Physiotherapie in der ISCED Klassifikation auf der Stufe 6 angesiedelt (siehe Grafik unten). An verschiedenen Fachhochschulen ist es möglich, zusätzlich ein konsekutives Masterstudium («Ausbildungsmaster») der ISCED Stufe 7 zu absolvieren.

    Die Erlangung eines Doktortitels (PhD) ist grundsätzlich auch möglich, muss aber an einer universitären Hochschule in der Schweiz oder im Ausland erlangt werden.

    Links Ausbildung zum Physiotherapeuten:

    Deutsch
    Deutsch-Französisch
    Französisch
    Italienisch

    Weiterbildung

    Das lebenslange Lernen wird für Physiotherapeuten im Gesundheitsberufegesetz vorgeschrieben. Was dies genau bedeutet, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht klar und wird in der entsprechenden Verordnung geregelt werden müssen.

    Bei der Weiterbildung kann aber ganz allgemein zwischen den folgenden Varianten unterschieden werden:

    • Formale Weiterbildung in einer Bildungs- oder Ausbildungseinrichtung, die zu einer Zertifizierung führt. Die Weiterbildung ist zielgerichtet.

    • Nicht formale Weiterbildung ausserhalb einer Bildungs- oder Berufsbildungseinrichtung, die üblicherweise nicht zur Zertifizierung führt, aber strukturiert und zielgerichtet ist.

    • Informelle Weiterbildung die im Alltag, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit stattfindet und nichtstrukturiert ist.

    Im Bereich der Physiotherapie gibt es ganz unterschiedlich Anbieter von Weitbildungskursen. So sind einige fachliche Interessensgruppen im Bereich des Kurswesens aktiv. Auch verschiedene Kantonal- und Regionalverbände bieten interessante Weiterbildungssequenzen an.

    Im tertiären Weiterbildungsbereich werden auf Hochschulstufe Weiterbildungsmaster (Master of Advanced Studies / MAS) angeboten. Nebst diesem nicht-konsekutiven Mastergrad gibt es als Weiterbildungsdiplome auch DAS (Diploma of Advanced Studies, Diplomstufe, mindestens 30 ETCS) und CAS (Certificate of Advanced Studies, Zertifikatsstufe, mindestens 10 ETCS). Die Erlangung eines MAS kann normalerweise auch über die Absolvierung mehrerer CAS respektive DAS erfolgen.

    Eine Übersicht über die relevanten Kurse findet sich hier.

    Gesundheitsberufegesetz

    Das Parlament hat am 30. September 2016 das neue Gesundheitsberufegesetz verabschiedet. Darin wird unter anderem auch die Physiotherapie geregelt.

    Im Interesse der öffentlichen Gesundheit soll mit dem Gesundheitsberufegesetz die Qualität der an Fachhochschulen vermittelten Gesundheitsberufen gefördert werden. Dazu werden gesamtschweizerisch einheitliche Anforderungen an die Ausbildung und Berufsausübung festgelegt. Das Gesetz regelt namentlich:

    • die Kompetenzen von Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs in Physiotherapie;

    • die Akkreditierung dieses Studienganges;

    • die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse;

    • das Gesundheitsberuferegister;

    • die Berufsausübung in eigener fachlicher Verantwortung;

    Mit der Berufsausübung verbunden sind die Bewilligung, der Entzug derselben und Sanktionen. Ebenfalls werden die Berufspflichten definiert, zum Beispiel bezüglich Werbung, Wahrung des Berufsgeheimnisses, der Berufshaftpflichtversicherung oder dem lebenslangen Lernen.

    Was dies genau alles konkret bedeutet, ist noch nicht klar, weil die zum Gesetz gehörende Verordnung noch erarbeitet werden muss. Erst in Verordnungen werden jeweils die relevanten Details ausgearbeitet. physioswiss engagiert sich hier proaktiv und ist in der Begleitgruppe vertreten. Auch die kantonalen Gesundheitsgesetze müssen teilweise noch angepasst werden.

    Wie geht es weiter und wann tritt das Gesetz in Kraft? Das fakultative Referendum wurde nicht ergriffen. Das Inkrafttreten wird im Gesetz dem Bundesrat überlassen. Dieser wird damit warten, bis die Verordnung erarbeitet wurde. physioswiss rechnet, dass das Gesetz zwischen Ende 2019 und Ende 2020 in Kraft gesetzt wird.

    Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz

    Das Bundesgesetz über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich (HFKG) ist ein wichtiges Instrument der gesamtschweizerischen hochschulpolitischen Koordination, der Qualitätssicherung, der Finanzierung von Hochschulen, der Aufgabenteilung in besonders kostenintensiven Bereichen sowie der Regelung von Bundesbeiträgen.

    Die diesbezüglichen Ziele des Bundes lauten wie folgt:

    • Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für eine Lehre und Forschung von hoher Qualität;

    • Schaffung eines Hochschulraums mit gleichwertigen, aber andersartigen Hochschultypen;

    • Förderung der Profilbildung der Hochschulen und des Wettbewerbs, insbesondere im Forschungsbereich;

    • Gestaltung einer kohärenten schweizerischen Hochschulpolitik in Abstimmung mit der Forschungs- und Innovationsförderungspolitik des Bundes;

    • Durchlässigkeit und Mobilität zwischen den Hochschulen;

    • Vereinheitlichung der Studienstrukturen, der Studienstufen und ihrer Übergänge sowie gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse;

    • Finanzierung der Hochschulen nach einheitlichen und leistungsorientierten Grundsätzen;

    • gesamtschweizerische hochschulpolitische Koordination und Aufgabenteilung in besonders kostenintensiven Bereichen;

    • Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen bei Dienstleistungen und Angeboten im Weiterbildungsbereich von Institutionen des Hochschulbereichs gegenüber Anbietern der höheren Berufsbildung.

     

     
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