Stellungnahme zum virtuellen Physiocoach

Eine Krankenkasse hat letzte Woche im Rahmen des «Digitalday» einen virtuellen Physiocoach vorgestellt. Dieser soll in seiner Endversion – momentan ist nur ein Prototyp vorhanden – Patienten bei den Übungen unterstützen. Bis zur Marktreife soll es gemäss Berichten noch zwei Jahre dauern. Es gibt also keine verlässlichen Daten darüber, ob der virtuelle Physiocoach überhaupt funktioniert und Patienten bei der Zielerreichung in der Physiotherapie adäquat unterstützen kann. physioswiss fordert auch für digitale Hilfsmittel, dass sie den Kriterien von «evidence-based medicine» genügen. Es ist daher absolut störend, dass eine Krankenkasse einen virtuellen Physiocoach nur aufgrund der «hohen» Kosten in der Physiotherapie als Ersatz für die zahlreichen Leistungen in der Physiotherapie bewirbt, ohne dazu valide Daten über den Nutzen zu haben. Dies umso mehr, als die Versicherer sich seit Jahren dagegen wehren, dass Tarifpositionen für Robotik oder Telephysiotherapie überhaupt in den Leistungskatalog aufgenommen werden. Offenbar ging es dieser Krankenkasse nur darum, eine Medienmitteilung dazu zu nutzen, den Patienten zu unterstellen, dass sie Übungen «nicht oder falsch» machen und dass die Physiotherapiekosten zu hoch seien. Wir verwahren uns gegen diese Unterstellung. Jeden Tag werden von Physiotherapeutinnen qualitativ hochstehende Leistungen erbracht und jeden Tag bemühen sich Patienten, ihrem Ziel wie Arbeitsfähigkeit, Selbständigkeit, Schmerzfreiheit etwas näher zu kommen. Dies macht 2 % der Gesundheitskosten aus. Wieviel kostet wohl die Entwicklung des virtuellen Physiocoach? Werden wir dies je erfahren? Pia Fankhauser, Vizepräsidentin physioswiss

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