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    Fakten zur Physiotherapie!

    Die Leistung der Physiotherapie bewegt alle und verursacht damit auch Kosten im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung. Die etwas stärkere Entwicklung in den letzten Jahren ist dabei im Gesamtkontext zu sehen. Nachfolgend die relevanten Faktoren:

    Kostenentwicklung der Physiotherapie im Vergleich

    Die Kostenentwicklung in der Physiotherapie liegt im generellen Trend der Entwicklung aller ambulanten KVG-Leistungen und dürfte neben spezifischen Gründen im Wesentlichen auch an der allgemeinen demographischen und medizinischen Entwicklung sowie der Bevölkerungszunahme (7.87 Mio. im 2010 um + 460'000 auf 8.33 Mio. im 2015) liegen. Die Kostenentwicklung für Physiotherapie liegt absolut im Rahmen (siehe Grafik unten). Ausgenommen der Jahre 2014 und 2015, in denen die Tarifanpassung und Zunahme der Verordnungen um 34% (2011 – 2015) einen grossen Einfluss auf die sprunghafte Erhöhung der Physiotherapiekosten hatten zusätzlich zur allgemeinen Entwicklung der ambulanten Leistungen nach KVG.

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    Quelle der verwendeten Daten: "T 14.05.01.02", Bundesamt für Statistik, Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens (revidiertes Modell 2017 mit Datenstand 2015)

    Weiter ist der Tabelle des BFS «je-d-14.05.01.03» der prozentuale Anteil der Kosten des Gesundheitswesens nach Leistungen zu entnehmen. Der Anteil der Physiotherapie an den Gesamtkosten lag im Einführungsjahr des KVG, also 1996, bei 1,3% und für 2014 werden 1,4% ausgewiesen.

    Tatsache ist, dass die Physiotherapie nur, wenn sie auf ärztliche Anordnung erfolgt, nach KVG abgerechnet werden darf. Die Krankenversicherer bezahlen ausschliesslich diese Leistungen, die somit die WZW-Regel (wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich) einhalten. Es sind denn auch nur diese Leistungen, die die Statistik der Kostenentwicklung ausweist.

    Die Physiotherapiekosten steigen, zu Recht, weil dahinter medizinisch erforderliche Leistungen auf ärztliche Anordnung hin stehen. Nachweislich liegen die Physiotherapiekosten grundsätzlich innerhalb oder sogar unterhalb des Rahmens der allgemeinen Kostenentwicklung. Dies zeigt auch der stabile Anteil der Physiotherapie an den Gesamtkosten!

    SwissDRG – mehr ambulante Physiotherapie

    In die betreffende Zeitperiode (2011-2016) fiel auch die Umsetzung von SwissDRG (Fallpauschalen zur Abgeltung von stationären Akutspital-Leistungen). Dies – gemeinsam mit der rasanten Entwicklung in der Medizin – hat zur Folge, dass die Akutspitäler alles daransetzen müssen, die Aufenthaltsdauer zu senken und immer mehr Leistungen ambulant zu erbringen. Alle in der Rehabilitation tätigen Leistungserbringer können bestätigen, dass damit die Komplexität und Pflege- sowie Therapiebedürftigkeit von Patienten, die aus Akutspitälern zugewiesen werden, massiv gestiegen sind. Die Rehabilitation ist umfassender und aufwändiger geworden, muss jedoch dennoch, innerhalb der gleich langen Aufenthaltsdauer sichergestellt werden. Die ambulante Rehabilitation hat aus diesem Grund stark zugenommen und ersetzen zusehends die ansonsten erforderliche stationäre Rehabilitation. Dies schlägt sich in einer Zunahme an erforderlicher Therapie nieder. Der Bundesrat selbst hat den Nachweis für diese sprunghafte Zunahme an erforderlicher Physiotherapie folgendermassen kommuniziert: Die ärztlichen Anordnungen von Physiotherapie nahmen im 2011 – 2015 sprunghaft um 34% zu (Nachzulesen im Bericht des Bundesrates zur Vernehmlassung der  Physiotherapie-Tarifstruktur per 1.1.2018.,  auf Seite 16: «Auch wenn die Zunahme der Anzahl Rechnungen (+34% in betrachteten Zeitraum) vermuten lässt, dass es eine starke Zunahme der ärztlichen Verschreibungen für die Physiotherapie und somit der Anzahl Fälle gegeben hat,..».  Die Zunahme der Rechnungen entspricht der Anzahl Verordnungen.

    Weiter kann dank Physiotherapie in gewissen Fällen eine Operation umgangen werden. Diese Erkenntnis ist in jüngster Vergangenheit durch die medizinische Entwicklung gewonnen worden. Hier am Beispiel der Ruptur des vorderen Kreuzbandes und den dazu ausgesprochenen Empfehlungen des Swiss Medical Boards:

    http://www.medical-board.ch/fileadmin/docs/public/mb/medienmitteilungen/10-01-2014_d_mm_review_kreuzband.pdf

    Taxpunktwerterhöhung – Kostensteigerung

    Der Physiotherapietarif in der heutigen Form wurde mit dem KVG 1996 eingeführt. Die dazugehörenden TPW (Taxpunktwerte) – also die Abgeltung – wurden während 18 Jahren, bis 2014 nie angepasst (resp. mit einem Teil der Krankenversicherer sogar erst 2016) 2014, bzw. 2016 wurde dann der Tarif um 8,51% erhöht. Die PhysiotherapeutInnen mussten von 1996 – 2013 ohne jegliche Anpassung des Tarifs bei steigenden eigenen Kosten und  steigenden Anforderungen an Ausbildung und Qualität auskommen! Die milde Anpassung 2015, bzw. 2016  führt wohl zu einer Erhöhung der Kosten, ist aber in der notwendigen Gesamtbetrachtung nach wie vor unterdurchschnittlich.

    Demographie – mehr Physiotherapie

    Die demographische Entwicklung ist unbestritten. Auch für die Physiotherapie gilt, dass die PatientInnen im Durchschnitt immer älter und damit einhergehend auch polymorbider werden, was den Behandlungsbedarf, sowie den Aufwand im Einzelfall deutlich erhöht.

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    Systemumstellung in der Abrechnung – nur statistisch eine Kostensteigerung

    Aufgrund der fehlenden Einigung auf eine Anpassung der Abgeltung, wurden zwischen Juli 2011 bis März 2014 die physiotherapeutischen Leistungen direkt gegenüber den PatientInnen im sogenannten Tiers-garant abgerechnet. Es gibt Aussagen von Krankenversicherern, dass im Tiers-garant 15 – 30% der Rechnungen gar nie bis zum Krankenversicherer gelangen. Übersteigt nämlich die erhaltene Rechnung den Selbstbehalt und Franchise des Versicherten nicht, gibt er die Rechnung oft nicht zur Rückerstattung an seinen Krankenversicherer weiter. Erfolgt aber keine Abrechnung beim Krankenversicherer, fliessen die entsprechenden Kosten nicht in die Statistik ein.

    Mit der Einigung auf die TPW-Erhöhung im 2014 mit tarifsuisse (rund 60% der Versicherten vertretende Krankenversicherer), wurde wieder auf Tiers-payant (Rechnungstellung gegenüber dem Krankenversicherer) umgestellt. Seit dann werden wieder alle Physiotherapierechnungen über die Krankenversicherer abgewickelt und fliessen in die Statistik ein. Folglich dürfte dies ein weiterer Grund für die statistische Ausnahme-Entwicklung der Physiotherapie-Kosten 2014ff (2016 dieselbe Erhöhung für Krankenversicherer, mit schweizweitem Markanteil von ca. 40%) sein.

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